SEPA – Single Euro Payments Aera

Um die Vorteile des gemeinsamen Euro-Wirtschaftsraumes effizient nutzen zu können, müssen die unterschiedlichen Bankensysteme mit ihren verschiedenen Zahlungsabwicklungsmethoden angeglichen und standardisiert werden.
Die schnellere Abwicklung und Vereinheitlichung des Massenzahlungsverkehrs, in Form von Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen im In- und Ausland, ist Ziel der Single Euro Payments Aera, kurz SEPA genannt.

SEPA ist eine Initiative des European Payments Council (EPC) zur Standardisierung des Zahlungsverkehrs in der Euro-Zone. Ziel ist die Vereinheitlichung und Vereinfachung des Zahlungsverkehrs in allen Ländern der Europäischen Union sowie anderen Unterzeichnerstaaten wie Lichtenstein, Schweiz, Norwegen und Island. Zukünftig sollen alle Zahlungen wie inländische Zahlungen behandelt werden. Im Endziel kann hierzu der Verbraucher von einem einzigen Konto europaweit bargeldlose Euro-Zahlungen unter Zuhilfenahme einheitlicher Zahlungsinstrumente (SEPA-Überweisung, SEPA-Lastschrift, SEPA-Karte) vornehmen.

Das SEPA-Instrumentarium

Der EPC hat einen Fahrplan zur Schaffung des einheitlichen Zahlungsverkehrsraums SEPA im Dezember 2004 vorgelegt. Demnach wird sich auf die drei Hauptzahlungsinstrumente - Überweisung, Lastschrift, Kartenzahlung - in der EU konzentriert. Seit 2008 bieten die europäischen Banken parallel zu den bisherigen Zahlungsverkehrsprodukten die SEPA-Überweisung, die SEPA-Lastschrift und die SEPA-Karte vor allem für grenzüberschreitende Zahlungen an. Die Planung sieht vor, dass ab dem Jahr 2010 die SEPA-Produkte auch national schrittweise eingeführt werden.

Die SEPA-Überweisung

Die SEPA-Überweisung wird international european credit transfer (ect) genannt. Sie unterscheidet sich in Deutschland nicht wesentlich von der EU-Standardüberweisung. Sie wird auf Basis von EPC-Dokumentationen und Richtlinien angeboten.

Die SEPA-Überweisung weist folgende Merkmale auf:

  • Kein Betragslimit.
  • Betrag nur in Euro möglich.
  • Kontoführung von Auftraggeber und Empfänger nur innerhalb der EU bzw. SEPA-angeschlossenen Ländern.
  • Identifikation des Auftraggebers und Empfängers nur über die IBAN und BIC.
  • Laufzeit der Überweisung: Annahmetag + 3 Bankarbeitstage (ab 2012 1 Bankarbeitstag).
  • Standardisierte Rückgabegründe und Fristen gemäß SEPA-Regularien (z.B. bei fehlerhaften Daten).
  • Die Gebühren und Kosten für die Überweisung werden geteilt. Jeder Beteiligte zahlt bei seiner Bank die anfallenden Entgelte.

Die SEPA-Lastschrift

Das SEPA-Lastschriftverfahren ist die Entwicklung eines völlig neuen Lastschriftverfahrens. Damit hat sich das EPC gegen die bestehenden, aber nationalen Lastschriftverfahren und eine Harmonisierung dieser Systeme entschieden. Die SEPA-Lastschrift ermöglicht damit nicht nur national, sondern auch innerhalb der Euro-Zone den Einsatz des Lastschriftverfahrens. Hierzu ist die Schaffung eines gemeinsamen Rechtsrahmen (Payment Services Directive, PSD) notwendig. Die Grundversion der SEPA-Lastschrift (Core Direct Debit) wird durch den Zahlungspflichtigen als Mandat (Einzugsermächtigung) dem Gläubiger erteilt.

Die SEPA-Lastschrift weist folgende Merkmale auf:

  • Betrag nur in Euro möglich.
  • Begünstigter und Auftraggeber müssen ihre Konten innerhalb der EU-Staaten bzw. SEPA-angeschlossenen Ländern führen.
  • Sicherheit durch eine individuelle Identifikationsnummer (Creditor Identifier). Kostenlose Vergabe durch die Bundesbank.
  • Einmalige Vereinbarung eines Mandats (Einzugsermächtigung) zwischen Zahlungsempfänger und Zahlungspflichtigen.
  • Das Mandat muss der Zahlungsempfänger vorhalten. Es verfällt nach 18 Monaten bei Nichtnutzung.
  • Jedes Mandat weist eine Nummer auf, die bei allen Lastschriften übermittelt wird.
  • Der Zahlungsempfänger gibt das Datum der Belastung vor.
  • Definierte Vorlauffristen zur Vorlage der Lastschrift bei der Zahlstelle: Bei erstmaliger Lastschrift 5 Tage vor Fälligkeit, bei nachfolgenden Lastschriften zwei Tage.
  • Zur Identifikation wird nur die IBAN und BIC akzeptiert.
  • Der Zahlungspflichtige hat ein Widerspruchsrecht von 8 Wochen nach Belastungseingang. Bei Geldeinzügen ohne gültiges Mandat beträgt die Widerspruchsfrist 1 Jahr.

Darüber hinaus wird eine Variante für Geschäftskunden (B2B-Direct Debit) erarbeitet, die dem heutigen Abbuchungsverfahren ähneln wird. Durch vordefinierte Vorlauffristen können Geschäftskunden ihre Zahlungsströme besser abwickeln und steuern.

Die SEPA-Lastschrift soll nach derzeitiger Planung zum 2. November 2009 eingeführt werden.

Die SEPA-Kartenzahlung

Die SEPA-Kartenzahlung (auch sepa cards framework genannt) soll europaweit die Geld-Verfügung mit jeder Bankkarte an jedem europäischen Bankautomaten und die bargeldlose Zahlung an jedem Händlerterminal in Europa ermöglichen. Dabei soll der Verbraucher bei Einsatz seiner Karte keinen Unterschied zwischen dem Inland und dem Ausland feststellen können. Die bisherigen Kartensysteme müssen auf SEPA umgestellt werden. Dabei gibt es verschiedene Optionen: Entweder ein komplett neues Kartensystem wird aufgestellt oder die bisherigen nationalen Kartenanbieter weiten ihre Systeme auf SEPA aus. Auch eine Ausweitung bestehender Systeme durch ein grenzüberschreitendes Co-Branding wäre denkbar.

Ziel wird es wohl sein, dass die bisher nationale Ausrichtung der Kartensysteme aufgegeben wird. Hierzu müssen große technische Standardisierungen vorgenommen werden. Der EPC hat im Dezember 2008 ein umfassendes Rahmenwerk zur Standardisierung von Kartenzahlungen herausgegeben. Nun liegt es an der Kreditwirtschaft und den Kreditkartenanbietern diese Rahmenbedingungen in funktionale und technische Spezifikationen und damit in konkrete Standards umzuwandeln.

Das SEPA-Datenformat

Es wurde ein einheitliches Datenformat für die Übermittlung von Zahlungsnachrichten auf Basis von XML-Nachrichtenformaten des weltweiten Standards ISO 20022 entwickelt. Diese Definition eines einheitlichen Zahlungsformats für Überweisungen und Lastschriften ist eines der wichtigsten Grundpfeiler von SEPA. Das XML-Datenformat wurde von dem «IST Harmonization Team», einer Kooperation von IFX, OAGi, TWIST und SWIFT mit Vertretern von Banken und Firmen, konzipiert. Es deckt die Interbanken-Schnittstelle, die Kunde-Bank-Schnittstelle als auch die Zahlungsverkehrsnachrichten ab.
Mit dem SEPA-Datenformat wurde die Grundlage für die vollautomatische Zahlungsabwicklung im SEPA-Raum geschaffen.

Vorteile durch SEPA

Die Vorteile durch SEPA liegen vor allem im problemlosen, grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. In der Vergangenheit waren Auslandszahlungsvorgänge aufwendig, kompliziert und nur verzögert möglich.

Durch SEPA

  • werden Käufe im Ausland vereinfacht durch den Einsatz des Lastschriftverfahrens,
  • wird das bargeldlose Zahlen im Ausland durch die SEPA-Karte vereinfacht,
  • wird die Abwicklung des Zahlungsverkehrs in den Unternehmen konzentriert und gestrafft. Das Liquiditätsmanagement wird durch bessere Steuerung der Zahlungsströme verbessert.
  • vereinfacht sich das Auslandsgeschäft auch für kleinere und mittelständische Unternehmen, die sich wegen der schweren Abwicklung sonst davor scheuten.
  • können die Banken neue Leistungen ihren Kunden anbieten.
  • wird die Abwicklung des Zahlungsverkehrs modernisiert.wird eine Verzahnung der Bankvorgänge und dem internen Rechnungswesen im Unternehmen ermöglicht.